Mensch & Hund: Erfahrungsberichte

Echte Freunde...

„Herr K. ist 65 Jahre alt und im Anfangsstadium an Demenz erkrankt. Einmal wöchentlich treffen mein Hund Kira und ich uns mit Herrn K. zu einem gemeinsamen Spaziergang. Meistens kommt er uns schon entgegen und holt uns vom Auto ab. Schon von Weitem ist ihm und auch meinem Hund die Freude auf die Begegnung anzusehen. Herr K. beschleunigt seine Schritte und lacht. Kira wackelt vor freudiger Erwartung mit ihrem ganzen Körper und läuft in großen Sprüngen schwanzwedelnd auf Herrn K. zu. Es folgt eine herzliche Begrüßung. Herr K. greift in seine Tasche, zieht eine Tüte mit Leckerlis heraus, fordert Kira zum Sitzen auf und wirft ihr dann eins zu, was sie gekonnt auffängt. Dann geht es durch Wiesen und Wälder.
Kira streift dabei immer um uns herum, fängt die Bälle, die Herr K. ihr zuwirft, und ab und zu ‚fällt’ auch wieder ein Leckerchen für sie aus seiner Tasche. Die Anzahl der Leckerchen wird dabei von Herr K. immer wieder gezählt, denn er achtet sehr darauf, dass er für die Verabschiedung noch genug übrig hat. Wenn Herr K. pfeift, kommt Kira wie ein Blitz angelaufen und setzt sich mit erwartungsvollem Blick vor ihn. Manchmal ruft Herr K. sie auch mit ‚mein Frikadellchen’ und läuft dann ein paar Meter mit ihr zusammen. Beide haben mächtig Spaß dabei und Herr K. ist stolz darauf, dass Kira auch auf sein Zurufen zu ihm kommt. Er lobt sie dann immer sehr. Häufig erzählt er auch anderen Hundebesitzern, die wir unterwegs treffen, wie lieb Kira sei und dass man vor ihr keine Angst zu haben brauche. Zum Abschied gibt es dann die restlichen Leckerchen für Kira, schöne Wünsche für die Woche und Grüße von mir an seine Frau. Das letzte Mal bat mich Herr K. um ein Foto von Kira, das er in seiner Tagesgruppe den anderen zeigen möchte.“ (Helga Bahr)

Andrea und Carlo...

Hallo liebe Leser, ich möchte Ihnen hier einen kleinen Erfahrungsbericht meiner wöchentlichen Besuche bei einer älteren Dame schildern, die an Demenz erkrankt ist:
Zunächst stelle ich uns erst einmal vor: Mein Name ist Andrea und ich bin Beamtin von Beruf und mein Hund ist ein kleiner Zwergrauhhaardackel namens Carlo, der inzwischen zwei Jahre alt ist, sein Beruf ist ein lieber Hund zu sein.
Nachdem wir ein Seminar bei "4 Pfoten für Sie" im Jahr 2010 besucht haben, betreuen Carlo und ich seit etwa einem Jahr eine ältere Dame (92) sowie ihren Mann. Ihr Mann (95) ist Prof. und im Kopf noch ganz fit, kann dafür aber nicht mehr so gut laufen. Sie ist im Kopf nicht mehr fit, möchte aber immer spazieren gehen, was sie auch noch gut kann. Ich fahre mit Carlo zweimal in der Woche das Ehepaar besuchen, so für ein bis zwei Stunden. Am Anfang unserer Besuche hat mich die Dame nicht immer erkannt, den Hund schon. Sie konnte noch recht gut auf Fragen bezüglich ihrer Vergangenheit und der Gegenwart antworten. Mittlerweile, ich denke durch die Regelmäßigkeit unserer Besuche, kann ich sogar auch mal ohne Hund bei den Zweien vorbeischauen und die Frau fragt sofort wo den das "Püppilein" (Carlo) sei, dann muss ich mir immer eine Ausrede einfallen lassen und ihr erzählen, dass der Hund beim nächsten mal wieder mitkommt. Dazu sagt sie dann: "Das ist gut, nein, nein, das ist schon gut so". Na ja, was soll ich Ihnen sonst noch so erzählen? Ach ja, wir haben natürlich auch ein paar Rituale. Immer wenn ich zu Besuch komme, hole ich sofort den Futterbeutel für Carlo raus, da er schon vor der Dame sitzt, oder sich neben sie auf die Couch setzt, sobald wir in der Wohnung sind und sein Futter haben möchte. Die ältere Dame füttert dann Carlo mit  jedem einzelnen Stück Futter und muss den Beutel auch immer wieder auf und zu machen, was ihr in den ersten Monaten unseres Besuchsdienstes auch ziemlich leicht gefallen ist. Mittlerweile hat sie doch etwas Mühe den Reißverschluss an dem Beutel zu öffnen und zu schließen obwohl schon ein recht großer Zipper dran ist. Auch kann sie sich nicht mehr so gut zu etwas äußern, allerdings weiss sie noch ganz genau, was sie anziehen möchte. Wenn ich mich manchmal mit ihrem Mann unterhalte, was mit einem Professor der Physchologie gar nicht so einfach ist, versucht sie sich auch in das Gespräch einzubringen, findet aber oft nicht die richtigen Vokabeln und dann bleibt es leider auch oft nur bei einem "Nein" oder "Ja" zu dem gerade Gesprochenen. Ihr Mann hat bisweilen auch einfach keine Geduld mehr auf ihre Antworten zu warten, er verbringt schließlich 24 Stunden mit ihr, was nicht so einfach ist. Die Krankheit ist nämlich in den letzten Monaten so weit fortgeschritten, dass sie oft anfängt zu schreien, wenn ihr etwas nicht gefällt oder schmeckt. Sie beschimpft auch ihren Mann. Hat arge Angstzustände und meint jeden Augenblick sterben zu müssen. In kleinen Auszügen haben ich solche Situationen auch schon miterlebt, aber durch die Hilfe von Carlo hat sie sich dann meist schnell beruhigt. Er schleckt ihr mal eben über die Hand und schon fängt sie wieder an zu lachen und knuddelt den Hund. Carlo hat irgendwie ein Gespür dafür, wann man "Blödsinn" machen kann und wann man bei ihr einfach mal stillhalten sollte, um sich drücken zu lassen.
Alles in allem kann ich eigentlich sagen: wir vier kommen super miteinander aus und jeder freut sich den anderen zu sehen. Ich könnte Ihnen jetzt noch viele kleine Geschichten erzählen, die in diesem einen Jahr passiert sind, aber ich glaube ich habe Ihnen schon einen guten kleinen Überblick gegeben was so los war.
Ich wünsche Ihnen und Ihren Familien alle Gute und verbleibe mit freundlichen Grüßen
Andrea und Carlo

Glückliche und bewegende Momente bei unseren Hundebesuchen im Seniorenhaus in Spich!

Ich war heute sehr gespannt auf unseren Besuch.
Kira und ich, wir haben seit kurzem ein neues Familienmitglied bekommen. Ronja eine knuffige 15jährige fidele Pudelmix-Seniorin. Ihre Besitzerin ist gerade verstorben und jetzt besuchen wir gemeinsam Frau L.
Immer gibt es für die Hunde zur herzlichen Begrüßung am Empfang ein Leckerchen, erst dann geht es zu Frau L. ins Zimmer.
Sauwetter heute, aber Frau L. hatte sich schon regenfest mit Gummistiefeln etc. angezogen und freute sich auf unseren wöchentlichen Spaziergang und los ging es. Frau L. mit Ronja und ich mit der Großen.
Wieder zurück zogen wir unsere warmen und nassen Sachen aus. Dann gingen wir zum gemütlichen Teil über. Kira, die große Ridgeback-Hündin holte sich die Erlaubnis für die Couch und Ronja die Kleine hüpfte hinterher. Wir saßen nun dichtbeieinander auf dem Zweisitzersofa. Kira streckte sich bequem aus, Ronja schmiegte sich an sie und dann ließen die Beiden sich von Frau L. verwöhnen und genossen die vielen Streicheleinheiten und die liebevollen Worte in vollen Zügen. Frau L. strahlte, war überglücklich und kuschelte mit den Beiden. Sie legte ihr Gesicht auf das weiche Fell der kleinen Ronja, die sie zufrieden mit ihren schwarzen Knopfaugen ansah und dankbar ihre Hand leckte und sie immer wieder mit ihrem Pfötchen zum Weitermachen aufforderte.
Wir genossen alle Vier diese wohltuenden, wunderschönen Momente. Frau L. strahlte so viel Freude aus, war so aufgeschlossen und glücklich und die Hunde so zufrieden, was mich sehr berührte.
Dann kam unser Abschiedsritual. Immer bringt uns Frau L. an den Eingang, streichelt noch mal beide Hunde, umarmt mich und sagt, dass sie sich schon auf das nächste Mal freut. Sie winkt uns lange hinterher.
Ich fuhr lächelnd und mit Freude im Herzen mit meinen beiden Hunden nach Hause, die sich für den Rest des Abends zufrieden und entspannt in ihr Körbchen legten. (Helga Bahr, Januar 2012)

Patin Kate Kitchenham